Manchmal frage ich mich, wann es eigentlich begann – dieses Wegfliegen. Vielleicht war es direkt nach meiner Ausbildung.
Ich hatte sie in Norddeutschland gemacht, wohin ich mit meinen Eltern nach der Wende gezogen bin. Kaum fertig, zog es mich hinaus in die Welt – nach Schweden. Ein neues Land, ein neuer Anfang. Ich verband Arbeit mit Leben. Doch schon nach wenigen Monaten spürte ich: Das war es nicht. Also machte ich einen Zwischenstopp bei meinen Eltern – bevor ich 2002 in die Schweiz ging. Wieder verband ich Arbeit und Leben. Ich war mit meinem damaligen Partner dort, und so musste ich mich nicht sofort einfinden. Er war mein Halt, mein Zuhause. Und weil mir Verbindung zu anderen nicht leichtfiel, fühlte sich das sicher an. Vielleicht zu sicher.
Mit ihm zusammen ging ich dann auf meine erste weite Reise: nach Bali, 2002. Damals war die Insel noch still, wild, unberührt. Ich erinnere mich an dieses Gefühl der Ankunft, das fremde Licht, die feuchte Luft. Alles war neu, intensiv, lebendig. Und zugleich – zu viel. Ich wurde überflutet von
Eindrücken, Schönheit, Andersartigkeit. Mein System wusste nicht, wohin mit all dem. Also schaltete ich – unbewusst – meinen Schutzmechanismus: Ich dissoziierte.
Eine weitere Reise folgte 2004, nach Indien, mit einer Freundin. Rückblickend verstehe ich heute, warum ich jahrelang meine Fotos nicht anschauen konnte, ohne dass sich in mir alles zusammenzog. Indien war ein einziger Strom aus Geräuschen, Gerüchen, Farben, Hitze, Nähe, Elend – ein Übermass von Allem. Ich war wie ein Schwamm, nahm alles auf. Und gleichzeitig konnte ich mich nicht ausdrücken – mein Englisch war holprig, meine Stimme unsicher. Ich fühlte
mich klein, still, überfordert. It was too much. But hey – I was there.
Damals wusste ich noch nicht, dass ich nicht auf der Suche nach der Welt war, sondern nach mir.
Dass ich nicht weglief vor Orten, sondern vor der Leere in mir. Ich glaubte, irgendwo da draussen würde ich finden, was ich in mir nicht spüren konnte: Verbindung.
Ein weiteres Kapitel begann 2007, als ich mit meinem damaligen Partner nach London ging.
Arbeiten und leben in einer grossen Stadt – laut, schnell, fordernd, bunt. Anderthalb Jahre lebten wir in diesem einzigartigen Geflecht von Möglichkeiten und Gegensätzen. Inmitten des pulsierenden Lebens, das nie stillstand, suchte ich nach meinem eigenen Rhythmus.
Die Arbeit im Krankenhaus brachte mich an meine Grenzen und liess mich gleichzeitig wachsen.
Ich konnte gar nicht anders, als Englisch zu sprechen, und immer wieder war ich stolz, wie ich mich als Pflegefachfrau in ein neues, fremdes System hineinwagte. Diese Zeit hat mich geprägt. Sie hat mich gestärkt, geerdet und mir Fähigkeiten geschenkt, die mich bis heute begleiten.
Mit meinem damaligen Partner ging ich nach dieser Zeit in London zurück in die Schweiz. Wir haben wieder Fuss gefasst, uns ein neues Zuhause geschaffen – und sind doch bald wieder
aufgebrochen. Das Leben hielt uns nicht auf, und auch wir waren bereit für neue Erfahrungen.
Nach der Rückkehr in die Schweiz folgten weitere Reisen – Ecuador, Peru, Venezuela, Bolivien, Japan, Island. So viele wundervolle Orte, die ich erleben durfte. So viel Schönheit, Weite, Leben.
Ich bin dankbar für jeden dieser Plätze, für die Begegnungen, die Farben, die Geschichten, die sich mir unterwegs gezeigt haben. Jede Reise hat etwas in mir berührt, etwas geöffnet.
Als sich dann 2011 eine neue Art des Reisens auftat – das Alleinreisen –, begann ein weiteres Kapitel.
Nach der Trennung von meinem Partner wollte ich nur noch weg. Je weiter, umso besser.
Von dieser ersten Reise, nach Laos und Kambodscha, habe ich heute nur noch wenige Erinnerungen. Wie ein Schleier, der sich über die Erlebnisse gelegt hat.
Es war eine geführte Reise, und so konnte ich mich ganz vertrauensvoll leiten lassen. Ich musste nicht entscheiden, nicht planen, nur mitgehen.
Und doch habe ich dort etwas Wesentliches gelernt: dass es möglich ist für mich – allein, trotz Überforderung – zu gehen. Zu vertrauen, dass alles gut kommt. Dass ich beschützt bin.
Weitere Reisen folgten – jeweils über mehrere Monate.
Die Philippinen, Australien, Neuseeland, erneut Bali. Jede Reise anders, jede mit ihrem eigenen Rhythmus, ihren eigenen Prüfungen und Geschenken.
Ein Moment der Klarheit in Christchurch
Ich erinnere mich gut an einen Moment in Christchurch, Neuseeland, am anderen Ende der Welt.
Ich sass dort, mitten im Stadtpark, die Sonne auf meiner Haut, umgeben von einer Blütenpracht, Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Was genau mache ich hier eigentlich? Ich hatte mich kaum vorbereitet, nie wirklich vorgestellt, wie es dort sein würde – weil sich mir fremde Orte erst dann erschliessen, wenn ich sie mit eigenen
Augen sehe und spüre.
Ich war einfach losgereist – ohne Plan, ohne Ziel.
Und doch konnte ich, zum ersten Mal, einfach sein.
Sitzen. Atmen. Schauen. Fühlen.
Ich hatte das Gefühl: Alles andere lässt sich schon organisieren.
Und dennoch – die Sorgen, die ich hoffte, zuhause lassen zu können – der Liebeskummer, das Gefühl des Alleinseins, all die leise Schwere meines Herzens – sie kamen mit, in meinem Gepäck, in meinem Herzen. Ich hatte trotzollem eine wunderbare Zeit und konnte Momente und die einzigartige Landschaft geniessen.
Und dann kam ein entscheidender Moment.
Ich sagte eine geplante Reise nach Kambodscha ab – ich stornierte den Flug, obwohl klar war, dass ich das Geld nicht zurückbekommen würde. Egal.
Diese Reise fühlte sich einfach nicht richtig an.
Es gab keinen greifbaren Grund, nichts, was dagegen sprach –
und doch wusste ich tief in mir: Nein.
Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich wirklich auf meine Intuition hörte – und dann auch danach handelte.
Ein unbeschreibliches Gefühl – so klar, so leicht, so befreiend.
Das unbezahlte Frei behielt ich weiterhin – und so hat mir diese Entscheidung meinen ersten langen Aufenthalt auf Mallorca eröffnet, und damit zugleich meine erste Kundalini Yoga Ferienwoche (heute würde man sagen, Retreat) auf der Insel.
Danach war das Reisen ein anderes.
Alles änderte sich von da an.
Für einige Jahre zog es mich immer wieder nach Mallorca –
mehrmals im Jahr.
Etwas an diesem Ort berührte mich tief,
etwas, das ich nicht benennen konnte.
Was war es, das mich so fesselte?
Das mich immer wieder dorthin reisen liess – wie ein stiller Ruf, dem ich folgen musste?
Ein paar Jahre später verstand ich, was es war.
Ich fühlte mich auf dieser Insel verbunden – verbunden mit mir selbst.
Nun galt es, dieses Gefühl auch unabhängig von der Umgebung zu spüren – nicht nur auf der Insel, nicht nur im Aussen, sondern in mir.
Es folgten noch mehrere Reisen dorthin – um dieses Gefühl zu nähren, mich immer wieder aufs Neue zu verbinden.
Während der Autofahrten ins Landesinnere, vorbei an den Feldern, durch die kleinen Dörfer, über das Gebirge, selbst mitten in Palma – spürte ich es.
Dieses Gefühl war einfach unbeschreiblich schön.
So fühlt es sich an, wenn ich mit mir bin.
Am Ende meiner 500-Stunden-Kundalini-Yoga-Ausbildung wuchs in mir ein neuer Wunsch – doch tatsächlich unterrichten zu wollen.
Einige Zeit später, auf Mallorca, wurde dieses Gefühl ganz klar.
Ich stand am Stadtstrand von Palma –
die Kathedrale hinter mir, den Blick aufs Meer gerichtet.
Diese Weite, dieses Licht, dieses tiefe Gefühl von Verbindung …
und plötzlich war sie da, die Gewissheit:
Ja. Ich will das weitergeben.
Diese wunderbare Praxis, die so viel in mir verändert hat – ich will sie teilen.
Ein weiterer Weg öffnete sich – aus meinem Inneren heraus, ganz natürlich.
Was die Reisen danach anging, wurden sie bewusster. Ich nahm mich immer mit – mit all dem, was ich war, fühlte und trug. Und plötzlich fühlten sich die Reisen nicht mehr nur nach Fortbewegung an, sondern nach Verbindung – zu mir selbst, zu den Orten, zu den Momenten.
Jede Reise hat mich zu mir selbst geführt – mal verloren, mal überfordert, immer auf der Suche nach Verbindung. Ich lernte, mit mir verbunden zu sein, und daraus wuchs der Wunsch, weiterzugeben, was mich bewegt und verändert hat.
Mögest du auf deinen Reisen – im Aussen wie im Innen – immer wieder zu dir selbst zurückfinden.
✨ Von Herzen
Birgit

Wenn dich meine Reise anspricht — das Unterwegssein, das Lernen, mir selbst zu vertrauen, die Momente des Verlorenseins und des Wiederfindens meines eigenen Rhythmus — möchte ich dir etwas Besonderes schenken: das 21. Lied aus meiner persönlichen Playlist. Ein Stück, das mich begleitet hat, wenn ich unterwegs war, reflektierte oder einfach wieder bei mir selbst ankam.
Du erhältst es, wenn du dich für meinen Newsletter einträgst — ein Raum voller Reflexionen, Musik und sanfter Einladungen, immer wieder zu dir selbst zurückzufinden.
Möge dieses Lied dich daran erinnern, innezuhalten, zu atmen, dich zu spüren und die Kraft deiner eigenen Sensibilität zu entdecken.
